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Sehr geehrter Herr Dr. Kleindiek

Sehr geehrter Herr Dr. Kleindiek,

gern möchte ich die Gelegenheit nutzen und hier auf ihren Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau zu antworten. Richtig ist, das die Wissenschaft keine Sittenpolizei braucht, denn wer braucht diese schon?

Richtig ist aber auch, dass es gesellschaftlich und vor allen Dingen politisch in Mode gekommen ist sich mit akademischen Titeln zu schmücken, die sich die Mehrheit der ehrlichen Doktoranden hart erarbeiten muss.

Es müsste Plattformen wie bspw. VroniPlag nicht geben, wenn es diese „Modeerscheinung“ nicht geben würde. Man kann diesen Sittenverfall nicht verallgemeinern und daher sollten auch Sie nicht aus negativen Einzelbeispielen wie die hier angesprochene Androhung der Dissertationsprüfung nicht verallgemeinern.

Wie unschwer zu erkennen ist, bedarf es auch keines Vereines „Mehr Demokratie e.V. um seine Meinung kundzutun und wie man sieht gibt es ebenso Portale, die Meinungsäußerung ermöglichen ohne finanzielle Interessen daran zu knüpfen.

Da Sie Bezug nehmen auf den Fall des Herrn Steinmeier, so fand die kritische Auseinandersetzung mit den „Ergebnissen“ des Herrn Kamenz schon im Anfangsstadium statt und jedem hätte klar sein müssen das Maschinen zwar menschliche Fehler entdecken, aber menschlichen Verstand nicht ersetzen können. Unter Umständen liegt es an meiner fehlenden Technikgläubigkeit, dass ich die Diskussion nicht wirklich aktiv verfolgt und nur als Randthema wahrgenommen und zeitig als PR-Aktion des Herrn Kamenz eingestuft habe? Sicher schafft die Technik tolle Möglichkeiten, allerdings stellt sich ähnlich wie bei den jüngsten Geheimdienstskandalen die Frage ob alles was möglich ist auch eingesetzt werden sollte? Die nächste Frage ist, ob man aufgrund dieser Möglichkeiten eine Doktorarbeit aus Zeiten wo es sie noch nicht gab, überhaupt bewerten kann? Ich denke die Antwort auf beide Fragen sollte ein klares Nein sein.

Wir leben heute in einem Zeitalter in dem wir uns durch eine Vielfalt von Medien mit Informationen versorgen können und es dürfte ob dieses Umstandes um einiges leichter sein eine Dissertation zu verfassen als vor 10 oder gar 20 Jahren. Allerdings birgt dies auch eine gewisse Gefahr dass wir unsere Gedanken nicht stets frei von grundlegenden Unterschieden zu anderen Menschen vor uns formulieren. Uns steht es frei unsere Arbeiten vor Abgabe selbst durch einschlägige Software überprüfen zu lassen und „handwerkliche Fehler“ auf ein Minimum zu reduzieren.

Das Fazit aus den Gedanken zu ihrem Gastbeitrag ist für meine Person, das Wissenschaft von Vielfalt und konträren Blickwinkeln lebt und hier sollten auch Sie ansetzen und das Wirken von Plagiatsjägern nicht nur auf den Fall ihres Parteifreundes Steinmeier anwenden sollten, sondern auf die Fälle der jüngsten Vergangenheit in denen Doktortitel aberkannt wurden. Dieses dann ins Verhältnis gesetzt mit der Zahl berechtigter Beanstandungen wirft dann ein gänzlich anderes Licht auf einen Teil der hier Kritisierten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre C. Voss